Das Weihnachts-Mailing

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Das Weihnachts-Mailing

Alle Jahre wieder stellen sich zigtausende Unternehmen in den christlichen Gefilden dieser Welt dieselbe Frage: Was senden wir unseren Kunden zu Weihnachten? Eine Weihnachtskarte? Wäre schön billig und einfach zu realisieren. Für die Auswahl des Bildsujets könnte man ja eine «Weihnachtskarten-Taskforce» bilden und somit gleich auch noch der Forderung des Personals nach Mitsprache in wichtigen unternehmerischen Entscheidungen entsprechen. Zu weihnächtlichen Bildern hat schliesslich jede und jeder eine Meinung. Oder sollte es doch ein veritables Geschenk sein? Schliesslich will man bei den Kunden ja nicht als knauserig in Erscheinung treten. Aber welches Geschenk? Eine Flasche Wein? Oder sollte es besser gleich eine Kiste sein? Vielleicht kommen aber Wein oder gar  Spirituosen bei der weiblichen Kundschaft doch nicht so gut an und im Januar erinnert sich sowieso niemand mehr daran, von wem der edle Tropfen gespendet wurde.

Leider braucht heute im Zeitalter von iPhone, Blackberry und Co. niemand mehr Agenden. Also machen wir doch einfach einen Kalender! Einen mit Bildern, die präzise auf den Durchschnittsgeschmack zielen. Also irgendwas zwischen Alpenglühen und Albert-Anker-Gemälde. Doch nun kommt sie, die ultimative Oberhammer-Bombenidee: Eine gleichzeitig ökologische, ökonomische und dazu noch soziale Lösung. Eine Idee, die alle Vorteile in sich vereinigt: Der Versand einer elektronischen Postkarte mit einem aus dem Internet geklauten Bildchen (Aufgabe der Weihnachtskarten-Taskforce) und folgendem Text: «Anstelle eines überflüssigen Weihnachtsgeschenkes haben wir an ein Hilfswerk einen (nicht genauer definierten) Betrag gespendet.» Genial, nicht wahr? So kostet das Weihnachtsmailing null und nichts. Hat bloss ein bisschen lange gedauert bis diese Idee gefunden wurde. Dafür kann man das ja problemlos Jahr für Jahr wiederholen und so den aufwendigen Ideenfindungsprozess amortisieren.

Frohe Weihnachten
Fredy Obrecht

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